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Presseberichte
Auswahl der Presseartikel zu den Donaueschinger Kanzelreden
Kanzelrede Ministerpräsident Teufel
Beifall krönt erste Kanzelrede
VON JENS WURSTHORN / QUELLE SÜDKURIER
Ein prominenter Redner, der nicht mit Kritik an aktuellen kirchlichen Entwicklungen sparte und eine Pfarrkirche St.Johann, die sich mit Besuchern füllte wie während der Ostermesse: Die erste Donaueschinger Kanzelrede mit Ministerpräsent Erwin Teufel geriet gestern Abend zu einem durchaus nachdenklich stimmenden gesellschaftlichen Ereignis.
Donaueschingen - Der Hauch des Besonderen lag schon eine Viertelstunde vor Beginn über der neuen Vortragsreihe. Bis auf wenige Plätze waren die Kirchenbänke gefüllt, andächtig schweigend erwartete lokale Prominenz, Gäste aus der Umgebung, aber auch viele junge Leute auf das Startsignal. Herzlicher Applaus empfing den Redner, zum mehrminütigen Beifallregen steigerte sich das Votum der etwa 300 Zuhörer nach Teufels Rede: Ausweis der intellektuellen Vortragsqualität und der Akzeptanz des Gotteshauses als Forum für Denker und Entscheidungsträger aus allen Gesellschaftsbereichen. So hatte Stadtpfarrer Hans-Peter Fischer die erste Kanzelrede angekündigt und sich dann mit den Ehrengästen, dem Fürstenpaar - Fürstin Maximiliane ist Schirmherrin der Kanzelreden - und OB Bernhard Everke mit Ehefrau Charlotte den Teufel´schen Thesen gewidmet. Diese waren nach einer Dreiviertelstunde Vortrag auch die Quelle jener Gespräche, die sich trotz grimmiger Kälte in vielen Grüppchen auf dem Kirchenvorplatz auftaten. Andere Zuhörer zogen die "Nachbereitung" des neuen Donaueschinger Kulturereignisses in der Gastronomie oder bei einem Empfang im Pfarrhaus vor.
Als seien die Neonröhren, die den Landesvater in ein starkes Licht setzten, ein Synonym für moderne Töne von der Kanzel herab, so waren die Gedanken Teufels über den Vertrauensverlust der Kirche modern geprägt. Auf der Skala Vertrauen erweckender Institutionen rangiere die Kirche ziemlich weit hinten, so die umfrageunterstützte Beobachtung des Spaichingers, der sich vorgenommen hatte, als Christ und nicht als Amtsträger zu sprechen. Dieser Rang, knapp vor der gesetzlichen Rentenversicherung und den politischen Parteien, aber weit hinter dem Spitzenreiter ADAC, rühre daher, dass die Kirche einige Zeichen der Zeit nicht erkannt habe.
Für Frauen-Diakonat
Wenn Erwin Teufel bei diesem "Warmlaufen" anerkennendes Schmunzeln erntete, änderte sich das in zustimmendes Kopfnicken. Teufel sprach sich klar dafür aus, das Diankonat für Frauen einzuführen. "Die Zeit drängt", die Kirche habe längst ein weibliches Gesicht, im Putz- und Pflegedienst wie auch in der Kinder- und Seniorenarbeit seien Frauen willkommen, Leitungsfunktionen werden ihnen vorenthalten.
Eine zu starke Zentralisierung der Kirche stehe ferner dem subsidiaren Anspruch einer Macht von unten entgegen. Unverständnis komme auf, wenn wie im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung die "Macht Roms" das ethische Urteil der deutschen Bischöfe in Frage stellt. In den Ruf nach mehr Entscheidungskompentenz der Gemeinden vor Ort schloss der Kanzelredner gleich die Forderung nach größerer Mitverantwortung der Laien ein. Hier gebe es viel berufliche Kompetenz, die besser genutzt werden könnte bei einer deutlicheren Trennung von Verwaltungs- und pastoralen Aufgaben.
Im Bereich der Ökumene schließlich sei den Menschen nicht am Beharren auf konfessionellen Standpunkten gelegen. Die Menschen stellen die Frage nach dem Sinn, wollen lebensnahe Antworten. In Zeiten "zu vieler" Wahlmöglichkeiten könne die Aufgabe der Kirchen darin liegen, Orientierungsfähigkeit und Wertebewusstsein zu vermitteln: eine interessante, moderne Definition von Glaubensfestigkeit, die zu einem neuen Leitbild gehöre - dem einer kritischen Zeitgenossenschaft im Zeitalter der totalen Unterhaltung.
Kanzelrede Claus Hipp
(Quelle Südkurier)
Donaueschingen (los) "Dafür stehe ich mit meinem Namen". Dieser Satz ist zum Klassiker geworden in der bundesdeutschen TV-Werbung. Der bayerische Babykost-Hersteller Claus Hipp hat ihn einst gesprochen an die Adresse junger Eltern und als Botschaft an eine ganze Generation, die mit zunehmendem Argwohn reagiert hat auf Lebensmittelskandale und schlimme Auswüchse der industriellen Nahrungsproduktion. Und so avancierte Hipp mit diesem Werbe-Slogan für die nach ihm benannten Produkte auch zur Symbolfigur ethischer Verantwortung und Sensibilität der Unternehmer-Klasse weit über sein Metier als Nahrungsmittelproduzenten hinaus.
Am morgigen Sonntag , 23. Mai, um 19 Uhr wird der habilitierte und promovierte Firmen-Kapitän aus Oberpfaffenhofen über diese "Ethik im Wirtschaftsleben" von der Kanzel der Donaueschinger Stadtkirche sprechen. Dazu eingeladen, ihm zuzuhören, ist die "gesamte Öffentlickeit", die sich dazu einfach im Kirchenschiff einfinden muss. Anstelle eines Eintrittsgeldes zu dieser Vortrags-Attraktion haben sich Initiator und Schirmherrin der "Kanzelreden", Pfarrer Fischer und Fürstin Maximiliane zu Fürstenberg, zu einer stilvoll-diskreten Form der "Wertschöpfung" für die Pfarrei entscheiden: "Spenden für die Kirchenrenovation", so die offizielle Sprachregelung, "werden gerne gesehen".
Das Familienunternehmen Hipp gilt als weltweit größter Verarbeiter organisch-biologischer Rohstoffe, die ohne Kunstdünger und Spritzmittel erzeugt werden. Selbst gegen Weltkonzerte kann sich der mittelständische Unternehmer mi t seinem naturnahen Konzept behaupten. Denn wie kaum ein anderer Unternehmer steht Claus Hipp, den Pfarrer Fischer aus dessen beruflicher Zeit in München gut kennt, für die christliche Verantwortung, mit der Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Ausgesprochen optimistisch und konstruktiv ist sein Ansatz, wonach die Herausforderungen der Zukunft dann zu meistern seien, wenn die Verantwortung möglichst auf die Ebene der Betroffenen verlagert wird. Wie dies praktisch geschehen kann, hat Hipp im eigenen Haus demonstriert: eine Ethikcharta wurde 1999 zum verpflichtenden Handlungs-Kodex, war zum Beispiel die Entscheidungsbasis dafür, dass Hipp seine Rohstoffe fast ausschließlich von Bauern bezieht, die ihre Erzeugnisse verbindlich auf naturbelassenen Böden anbauen.
Doch der noch so idealistische Unternehmer im frühen Rentneralter, der als zweiter Kanzelredner auf Ministerpräsident Erwin Teufel folgt und wie dieser im Anschluss an den "öffentlichen Teil" seines Donaueschinger Gastspiels im kleinen Kreis des Pfarrhauses mit einigen wenigen Repräsentanten der Baaremer Gesellschaft zusammen trifft, hat auch noch eine "andere Seite" seiner profilierten Persönlichkeit. Ein talentierter Orchestermusiker (Englischhorn und Oboe) ist er, aber auch ein international anerkannter Maler, Jurist und Kunsterzieher. Und freilich Familienvater von fünf Kindern - ganz der Branche verpflichtet eben.
Kanzelrede Erzbischof Zollitsch
(Quelle Südkurier)
Donaueschingen (hon) Bei der vierten Ausgabe der von Stadtpfarrer Hans-Peter Fischer initiierten Donaueschinger Kanzelreden sprach gestern in St. Johann nach zwei Politikern und einem Industriellen erstmals ein Mann über "Gott und die Welt", für den die Kanzel ein bekannter Ort der Verkündigung ist: der promovierte Erzbischof der Diözese Freiburg, Robert Zollitsch. Der Geistliche, der im Sommer vergangenen Jahres sein Amt antrat, bestätigte in der restlos besetzten Stadtkirche seinen Ruf, ein Mann mit Ecken und Kanten zu sein.
In einer an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichteten und mit Zitaten bekannter Soziologen und Theologen gespickten Rede forderte Erzbischof Zollitsch nach einer Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Lebenssituation die Donaueschinger Christen auf, für die Gemeinschaft stiftenden Werte der frohen Botschaft einzutreten: "Wir sind als Christen gefordert, uns einzumischen."
Genau das tat der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Donauschwabe - wobei seine Stimme auch dann ruhig blieb, wenn er mit deutlichen Worte beispielsweise die Verrohung im Fernsehen kritisierte (Big Brother, Dschungelcamp) oder Video-Spiele geißelte, bei denen das Töten im Vordergrund steht. "Da gehen visuelles Erleben und tatsächliches Leben ineinander über", so Zollitsch.
Der Bischof positionierte sich außerdem in der aktuellen Diskussion um die Abschaffung des Feiertags Christi Himmelfahrt. Sonn- und Feiertage seien nötig, um sich an die christlichen Werte zu erinnern und sich deren Gültigkeit zu vergewissern. Es brauche Zeit, in der die Menschen nicht dem Leistungsdruck ausgeliefert seien. Zudem stünden die Bundesländer, die am meisten Feiertage hätten, Bayern und Baden-Württemberg nämlich, zum Beispiel was die Arbeitslosigkeit anbelange noch vergleichsweise gut da. Feiertage, so Zollitsch in einer prägnanten Formulierung, seien der "Ausdruck des religiösen und kulturellen Gedächtnisses einer Gesellschaft". Um seine Sicht des Verhältnisses zwischen Ökonomie und Glaube auf den Punkt zu bringen, griff er ein Zitat eines Spiegel-Redakteurs auf: "Die Gesetze der Marktwirtschaft für richtig zu halten, heißt nicht, diesen alles zu unterwerfen." Die Menschen, so der Bischof weiter, müssten sich auf eine "Gesellschaft des weniger sein" einrichten, das Modell stetigen Wachstums gelte nicht mehr - solche Sätze sind ansonsten auf Parteitagen von Bündnis 90/Die Grünen zu hören.
Überhaupt befände sich Deutschland in einer Zeit des Umbruchs. Zollitsch sieht darin eine Chance zum Aufbruch für das Christentum. Er glaubt daran, dass die Kirche Antworten auf die zahlreichen Probleme wie Arbeitslosigkeit oder die Zunahme von Gewalt im privaten und öffentlichen Leben geben kann. "Wer hofft, bleibt handlungsfähig", sagte Bischof Zollitsch zum Abschluss seiner Kanzelrede. Der kräftige und lang anhaltende Applaus in St. Johann zeigte gestern Abend, dass er mit seiner ebenso lebensbejahenden wie mutigen Einstellung nicht alleine dasteht.
Kanzelrede Otto von Habsburg - Europa-Potpourri von der Kanzel
VON KLAUS KOCH / SÜDKURIER
Kein Platz war in der Stadtkirche mehr frei, als Otto von Habsburg gestern abend in St.Johann auf Einladung des Bauvereins zur Kirchenrenovation über Gott, Vaterland und die Welt redete. Der 92-Jährige wusste seine Kanzelrede mit Bonmots und Anekdoten zu würzen, mit denen er die Lacher auf seiner Seite hatte und anhaltenden Applaus erntete.
Donaueschingen - Wie das mit prominenten Gästen so ist: Sie kommen - von einem Termin zum anderen hetzend - oft auf die letzte Minute, manchmal auch zu spät. Und so musste Pfarrer Hans-Peter Fischer mal wieder Organisationstalent beweisen, um die rund 550 Anwesenden in der Stadtkirche nicht zu sehr auf die Folter zu spannen. Denn "Ihre Kaiserliche Hoheit", wie der Geistliche den einstigen Kronprinzen der k.u.k.-Monarchie anzusprechen beliebte, war auf der Autobahn in einen Stau geraten. Dank moderner Kommunikationstechnik und Autofunk kein Problem: Fischer bekommt das "Timing" mit Orgel und Einführungs-Choral so gut auf die Reihe, dass sich noch während seiner Ansprache das Portal öffnet und "Hoheit" stürmisch begrüßt wird. Einige ältere Damen reißt es förmlich von den Sitzen, als der mit seinem sympathischen Wiener Dialekt auftretende Europa-Politiker freundlich nickend durch die Bankreihen schreitet. Er spannt den Bogen über ein komplettes Jahrhundert, das er erlebt hat. Mitunter überspannt er ihn auch: In Zuspitzung auf den Kommunismus, dessen Auswirkungen in seiner Heimat er Zeit seines Lebens - meist aus dem Exil - beobachtet hat. "Gut", sagt der Hochbetagte indem er die Kanzel erklimmt, "dass ich kein Kaiser bin. Denn dann kann ich frei heraus reden". Der einstige rechtmäßige Erbe der Krone von Österreich, Ungarn, Böhmen und Serbien geht bezüglich der EU-Erweiterung "in die Vollen". Von zehn neuen Mitgliedsstaaten seien ihm nur neun willkommen, meint er. Der zehnte, Zypern, sei immer noch in zwei Hälften geteilt und das Volk nicht gefragt worden.
Geschickt versteht es Otto von Habsburg, weltanschauliche Grundanschauungen, christliche Werte und spontanes Empfinden so zu verquicken, dass aufmerksame Zuhörer bisweilen verwirrt sind, ihm jedoch Unterhaltungswert attestieren. Immer präsent die Angst vor den "gottlosen Kommunisten": Der russische Präsident, der vor dem heute amtierenden Kreml-Chef (Putin) die Öffnung des Eisernen Vorhangs einleitete, sei ihm trotz seines Alkoholproblems noch sympathisch. Boris Jelzin sei zwar wegen hoher Promille-Werte oft nicht ansprechbar gewesen. Aber das gehöre bei einem Volk, das einem "guten Tropfen" - wie auch die Österreicher ihrem Wein - nicht abgeneigt sei, zum "guten Ton". Gefährlicher seien diejenigen, die nur "Wasser trinken" - so wie Putin. Der habe schon in der Schule Gleichaltrige verpfiffen. Jetzt bekämpfe er die Tschetschenen, ein Volk, das über 300 Jahre für seine Unabhängigkeit gekämpft habe, und dabei schon mal zu 90 Prozent ausgerottet worden sei.
Ein Dorn im Auge sei ihm "der fehlende Gottesbezug" in der europäischen Verfassung. Dass der eingearbeitet werde, sei eine "moralische Aufgabe ersten Ranges", predigt er von der Kanzel. Darin seien sich Christen, Juden und gläubige Mohammedaner schließlich einig. Außer Zweifel stehen zu guter Letzt auch Otto von Habsburgs rhetorische Qualitäten. Neben Heinrich Fürst, Maximiliane Fürstin und Altfürstin Paula zu Fürstenberg sowie zahlreicher Prominenz aus dem städtischen Leben ist auch der Fraktionsvorsitzende der Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament, Hens-Gert Pöttering, angereist. Zugunsten der Kirchenrenovation finden etliche Euro ihren Weg in den Klingelbeutel, und viele Zuhörer Otto von Habsburg, der bisweilen gestützt werden muss, trotz seines hohen Alters "recht knackig". Einer Studienrätin erscheint das Potpourri nicht ganz schlüssig. Andere freuen sich über Diskussionsstoff für den Stammtisch - und eilen davon, um sich über die zeitgleich vorliegenden Ergebnisse der OB-Wahl zu informieren.
Graf Brandenstein-Zeppelin
(Quelle Südkurier)
Schier unglaublich dieser Regie-Zufall, welcher dem Donaueschinger Stadtpfarrer Hans-Peter Fischer als Gründer dieser 2003 gestarteten Reihe einen "Beachtungsgipfel" nach dem anderen beschert und die von Fürstin Maximiliane zu Fürstenberg als Schirmherrin begleiteten Veranstaltungen gesellschaftlich immer höher stuft! Als der Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof im Bundestagswahlkampf-Finale 2005 gerade der gefragteste Redner der Republik ist, war er zufällig schon für die fünfte Kanzelrede gebucht. Und als Pfarrer Fischer mit dem einstigen MTU-Gesellschafter und ehrenamtlichen, renommierten Kirchenphilisophen Graf Brandenstein-Zeppelin vereinbarte, am 2. April zum "Umgang mit Andersdenkenden - nach Johannes Paul II" zu sprechen, da entdeckten sie erst später, dass dies per Zufall der erste Jahrestag des großen Papstes war.
FF im Quartett
Spätestens seit Paul Kirchhofs Donaueschinger Kanzel-Gastspiel hat sich auch das Beachtungsformat dieser Reihe vergrößert. Der Beleg gestern: Mit Maximiliane zu Fürstenberg, der Fürstin-Mutter Paula, Antoinette Bagusat und Erbprinz Christian war die Patronatsfamilie der Stadtkirche besonders ambitioniert präsent im Kreis der fünfhundert Zuhörer, darunter viele prominente Vertreter der regionalen Gesellschaft wie OB Frei, Ehrenbürger Everke, Landrat Heim, viele Seelsorger der Baar, Repräsentanten aus Wirtschaft und Kulturleben.
Wahrheit und Liberalität
Der gut einstündige Vortrag, gerahmt mit Orgelwerken des Kantors Zeno Bianchini und einem "Vater unser" und mit der Veranstaltungs-Absicht, per Spendensammlung Geld für die ab 2008 geplante Innensanierung von St. Johann zu schürfen, geriet zur hochdosierten Lektion Religionsphilosophie. Graf Brandenstein-Zeppelin nahm sein Auditorum mit auf eine analytische Exkursion mit dem Ziel, bei seinen Zuhörern Erkenntnis-Stufen zu erklimmen. Darüber nämlich, wie Papst und katholische Kirche spätestens seit Johannes Paul II ihr Unfehlbarkeits-Dogma und Wahrheits-Monopol begreifen. Mit dem Anspruch darauf, so erklärte Graf Brandenstein-Zeppelin, Wahrheiten zu sehen, zu denen nach Existenzsinn-Abklärung alle Widersprüche und Alternativen denk-unlogisch seien. Dennoch, so der engagierte Glaubensphilosoph, sei gerade mit und trotz dieser eigenen religiösen Überzeugung das Existenzrecht anderer Religionen zu akzeptieren, stecke in ihnen doch auch ein gemeinsamer Nenner mit den christlichen Kern-Lehren von Friede, Liebe und moralischer Ethik.
Der Graf als Kurator
Leicht gefallen ist es womöglich manchem Zuhörer nicht, dem berufenen Autor und Rektor einer ehrenamtlichen Philosophischen Fakultät auf der Erklärungsspur zu folgen. Doch für einige Dutzend gab's noch launige Nachhilfe: Bei einem Empfang im Pfarrhaus, wo der neue Vorsitzende des Kirchbauvereins, Hansjürgen Bühler, den Kanzelredner zum Kuratoriumsmitglied im Kirchbauverein ernannte und Erbprinz Christian in familiären Ton dem "lieben Albrecht" für sein Kommen dankte.
Kanzelrede Prof. Kirchhof
Rezept gegen die Polit-Migräne
VON JENS WURSTHORN / SÜDKURIER
So eng standen und saßen die Donaueschinger seit Menschengedenken nicht mehr in ihrer Stadtkirche: Etwa eine Stunde fesselte gestern Abend Paul Kirchhof rund 800 Zuhörer mit einer ethisch geprägten Kanzelrede. Fazinierend obendrein: der politisch umstrittenste Deutsche der Wahlkampf-Gegenwart wusste zu überzeugen ohne einen einzigen Schritt aufs Glatteis der Tagespolitik.
Donaueschingen - Den Finanzexperten der Union und den Steuerprofessor hatte "die" mediale Hauptfigur des Bundestagtswahlkampfes zu Hause gelassen - und konnte sich doch nicht dagegen "erwehren", dass die Popularität des Augenblicks wie ein Magnet auf das politisch bewusste Publikum der Baar wirkte. Die etwa 500 Sitzplätze waren schon eine halbe Stunde vor Beginn restlos belegt, eine halbe Hundertschaft neugieriger Zuhörer ließ sich von Stadtpfarrer Hans-Peter Fischer auf den Teppich des Altarvorraums lotsen, ebenso viele erklimmten die Empore, drückten sich als breite Wand an die Ausgänge oder ergatterten - in geringerer Zahl wohl - einen Platz in der Fürstlichen Loge.
Und während sich der 62-jährige ehemalige Verfassungsrichter als Gast mit einem höflichen Zeitbudget erwies, das eigentlich gar nicht zu passen schien zum Stress des Wahlkämpfers, sperrte das Publikum schon zu den ersten Glockentönen des 18-Uhr-Läutens alle Wahlkampfattitüden aus. Respektabel war beides: Hier der Gast, der den Nachmittag mit Ehefrau Jutta, Stadtpfarrer Fischer, Fürstin Maximiliane und dem ein oder anderen Stück Zwetschkenkuchen genoss und seine "Bildungslücke" Donaueschingen beim ersten Besuch an der Donauquelle "stopfte". Aber auch das Auditorium, das sich in minutenlanger Stille auf den im besten Sinne wertkonservativen Vortrag im Gotteshaus einstimmte. Nach Kirchhofs Ausführungen dann erwies sich minutenlanger Beifall der längst stehend applaudierenden Zuhörer als Gütesiegel einer Rede, die zum Nachdenken anregte.
Kirchhof knüpfte an am deutschen Gemütszustand, den er die "Staatsbürgerliche Migräne" nannte: fehlendes Zutrauen, wenn es darum geht Familien zu gründen oder sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Ein kollektiver Seelenzustand, der nach der Analyse des Kanzelredners so gar nicht passen will zum Rahmen: jahrzehntelanger Frieden, großer Wohlstand, eine freiheitliche Verfassung und kultureller Reichtum.
Wo aber die Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit eine Fehlentwicklung angetreten haben hin zur Erwartung, der Staat müsse alle Lebensrisiken absichern, dann subsummierte der Bundesrichter a.D. seine Zeitgeistkritik in einem Satz: "Wenn wir den Staat überfordern verlieren wir das Selbstvertrauen".
Bilderstark dann die Ausführungen des wortgewaltigten Verfassungsrichters. Gestenreich, mit modulierter Stimme und in freier Rede skizzierte er die Freiheit, die sich nur im Miteinander der Menschen ausbilde, die Toleranz, die ein Eintreten für die Würde des anderen sei und - welch grandiose Metapher - das Staatsvolk als Hand im Handschuh des Staates. Vor Verletzungen und gegen Kälte schützen, aber nicht die Beweglichkeit einschränken, so lautete die leicht verdauliche Auflösung des komplizierten Wechselspiels.
Seinen ersten Zwischenapplaus erntete der großgewachsene Gast aber nicht für seine Ausführungen, Demokratie als Aufforderung zu begreifen, gemeinsam etwas Neues zu wagen, sondern für eine viel konkretere Ankündigung: Bei den Ideen, wie denn der Rahmen für mehr Kinder zu schaffen sei, forderte er eine stärkere Berücksichtigung der Mütter bei der Rentenbemessung.
Bemerkenswert auch die Ausführungen des Juristen zur "Inneren Bindung", zum Eigentum und zum Sozialstaat. Kirchhof bekannte sich zur christlich-religiösen Erziehung der Kinder - nur über etwas Bekanntes könne man später eine bewusste Entscheidung treffen. Als Gegenbild der beliebigen und anonymen ökunomischen Freiheit, die sich im Wirken der Hedge-Fonds manifestiere, setzte er das Verantwortungseigentum.
Nochmaligen akkustischen Zwischenrespekt gab's dagegen an eher unerwarteter Stelle: als Kirchhof bei seinen Ausführungen zum Sozialstaat die Gerechtigkeit von Studiengebühren verteidigte. Doch auch Kirchhofs Sozialstaat hat Genzen: Er funktioniert nur dann, nur wenn ihn die überwiegende Mehrheit als gerne übernommene Pflicht und eine kleine Minderheit als Recht verstehen. Wohin falsches Staatsverständnis führen kann, machte Kirchhof warnend beim politischen Philosophen Montesquieu fest. Rom sei untergegangen, weil der Staat mit Erwartungen überfrachtet und die Familien vernachlässigt wurde. "Wir werden diesen Fehler vermeiden" schloss Kirchhof - und vermied ein letztes Mal wohltuend jede aktuelle Deutung des "Wir".
Kanzelrede Dr. Lütz
(Quelle Südkurier)
Donaueschingen (bea) Rheinischer Humor und eine geschliffene Rede in der vollbesetzten Stadtkirche St. Johann: Die 9. Donaueschinger Kanzelrede am Sonntagabend hatte es in sich. Auf der Kanzel stand mit Manfred Lütz ein Mediziner, Psychologe und Theologe, der seine Kanzelrede mit viel Satire würzte.
Lütz, Chefarzt am Alexianer-Krankenhaus in Köln, einer Fachklinik für Psychiatrie mit weit gefächertem Therapieangebot, sprach über "Lebenslust - Risiken und Nebenwirkungen". Der Rheinländer, der in seinem Äußeren dem Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch ähnelt, ist einfach nur "herzerfrischend" und stachelt die zahlreichen Zuhörer immer wieder zu Lachsalven an. Reichlich lokale Prominenz hatte sich unter die Gäste gemischt, darunter "Schirmherrin" Maximiliane zu Fürstenberg, die sich Stadtpfarrer Hans-Peter Fischers Idee zueigen gemacht hat: Er will mit den Kanzelreden mehr Menschen in die Kirche locken.
Pfarrer Fischer darf sich darin nun einmal mehr bestätigt sehen. Wegen der anstehenden Innenrenovierung von St. Johann, die im Herbst beginnt, wird es vorerst allerdings nur noch eine einzige Kanzelrede geben, wenn am 24. Juni Christine Underberg, aus dem Haus des bekannten Magenbitter-Herstellers nach Donaueschingen kommt.
Manfred Lütz, der auch Berater der Vatikanischen Kongregation ist, hat mit dem Gesundheitswesen und dem Fitness-Wahn unserer Tage ein griffiges Thema gefunden: In seiner einstündigen "Predigt" kämpft er für barocke Lebensfreude, zu der es gehört, auch mal etwas Ungesundes zu essen und nicht dauernd auf Vorbeugung zu achten und mit schlechtem Gewissen vor dem Fitness-Studiozu stehen. Er verweigert sich dem Schönheits- und Fitnesswahn unserer Tage, dem Irrglauben, in der Gesundheit sei alles machbar.
Der Kölner Mediziner beschreibt 70-jährige Gigolos, die ihren Schönheitschirurgen Duzen und auf Beerdigungen das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, weil bei der OP etwas schief gegangen sein muss. Die deftigen Sprüche kommen an: "Gesund ist eine Person, die nicht ausreichend untersucht wurde", oder "warum soll meine Lunge älter werden als ich" kalauert er über die Raucher und stellt eine neue "theologisch korrekte" Behauptung auf, die die Lachmuskeln reizt: "Wer früher stirbt, lebt länger ewig".
Hinter der satirischen Verpackung steckt ein wahrer Kern: Je stärker wir die Gesundheit als "höchstes Gut" anpreisen, umso schneller bringen wir das Gesundheitssystem zum Kollaps, weil wir alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen ausreizen, die sich heute bieten.
Und dann taucht plötzlich ein für die Kirche bitteres Thema auf: Könnte man einem Parkinson-Kranken mit embryonalen Stammzellen so helfen, dass er nachher wieder Tennis spielen kann, "dann wäre dies das Ende der Stammzellen-Diskussion", so Lütz. Abseits aller Polemik bricht er eine Lanze für ein lustvolles Leben und kämpft engagiert dafür, alte Menschen und Behinderte nicht als "Objekte sondern als Schatz und wertvolles Gut zu begreifen".
Kanzelrede Bischof Mixa
(Quelle Südkurier))
Wenn rund um die Stadtkirche an einem späten Sonntagnachmittag kein Parkplatz mehr zu finden ist - dann kann das nur eines bedeuten: Pfarrer Fischer hat zu einer neuen Ausgabe seiner bestens etablierten Kanzelreden eingeladen. In einer Zeit, in der Journalisten für die Veröffentlichung von Islam kritischen Karikaturen angegriffen werden, in der Opernintendantinnen aus Terrorangst Spielpläne ändern und in Großstädten wie Stuttgart Nikolausfeiern ausfallen, weil die Mehrzahl der kleinen Buben und Mädchen mit diesem Fest nichts anzufangen weiß, verlangt der Bürger und Christ nach Orientierung. Und die gab gestern in St. Johann der promovierte Theologe Walter Mixa, Bischof von Augsburg und katholischer Militärbischof. Sein Thema: "Die christlichen Wurzeln Europas".
Der Theologe sprach Tacheles. Das in Europa geltende christliche Menschen- und Gottesbild unterscheide sich von allen anderen Religionen und Kulturen. Weil Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen habe, stünden Männer und Frauen auf einer Stufe, seien gleichberechtigt. Das Christentum lehne das Patriarchat ab. Und aus Gottes Menschwerdung in Jesus Christus, dessen Tod am Kreuz und die Auferstehung könne abgeleitet werden, dass kein Mensch ein Verfügungsrecht über andere Menschen besitzt. Daraus wiederum folgen für Mixa ganz konkrete Handlungsanweisungen. Nämlich zum Beispiel der Einsatz dafür, ungeborenes Leben zu schützen oder sich gegen die embryonale Stammzellenforschung aufzulehnen.
Mixa erinnerte daran, dass trotz der Trennung von Kirche und Staat auch heute noch die christlichen Wurzeln spür- und erlebbar seien. Das zeige sich im Gesundheits- und Bildungswesen, wo viele Krankenhäuser, Altenheime und Schulen von der Kirche gegründet wurden und auch heute noch teilweise von der Kirche betrieben werden. Oder die Aussöhnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg mit Frankreich oder Polen. Die Bereitschaft, verzeihen zu können und sich auszusöhnen, prägten die christliche Kultur Europas.
Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen gab Walter Mixa der Politik Handlungsempfehlungen in aktuellen Fragen: So gehört die Türkei für ihn nicht in die EU, weil dort ein Gottes- und Menschenbild gepflegt werde, das im Rest Europas nicht gelebt werde. Und außerdem müsse der Gottesbegriff in die Verfassung eines vereinten Europas aufgenommen werden. Denn die christlichen Wurzeln Europas gelte es zu verteidigen. "Toleranz bedeutet nicht, den eigenen Glauben zu verleugnen", so Mixa. Mit den Worten von Papst Benedikt warnte der Bischof davor, in einen "Toleranztaumel" zu verfallen.
Noch zwei Mal wird sich St. Johann vor Beginn der Sanierungsarbeiten kurzfristig in einen Hörsaal verwandeln. Am 13. Mai wird der Theologe, Mediziner und Buchautor Manfred Lütz die neunte Kanzelrede halten und am 24. Juni Christiane Underberg vom gleichnamigen Magenbitter-Hersteller.
Holger Niederberger
Kanzelrede Underberg
Dreihundert Besucher füllten gegen 19 Uhr das barocke Kirchenschiff, dessen von Feuchtigkeit marmorierte weißgrauen Wänden den dringenden Sanierungsbedarf selbst erklärten. Damit war die letzte Auflage dieser im Oktober 2003 von Pfarrer Hans-Peter Fischer etablierten Reihe auch eine der besonders gut besuchten. Und Hansjürgen Bühler, der Vorsitzende des Kirchbauvereins, bilanzierte nach dem Kassensturz der Spenden gar einen Rekord. Nie zuvor hatte ein Kanzelredner so viel "verdient" wie die Seniorchefin des niederrheinischen Spirituosenhauses Underberg und vierfache Mutter, die als Protestantin in einem Industriellenhaushalt aufwuchs, dann nach der ersten Geburt zum katholischen Glauben konvertierte. Und die nun gelegentlich in Vorträgen mit den Lehren ihres eigenen Lebens missioniert. Als naturverbundene Christin, die auch noch im Rentenalter leidenschaftlich Essenzen für die Firmenproduktion entwickelt und so zur Heilkräuterexpertin wurde, stellt sie die vorwurfsvolle Frage nach dem Erschöpfungszustand der Schöpfung.
Gestern Abend von der Kanzel tat sie dies einmal nicht wie sonst meist mit insistierenden Diskussionen, sondern - auch das ein Novum bei den Kanzelreden - in erzählerischer Dialogform. Den Heiligen Franziskus begleitete die studierte Fürsorgerin dabei durch die Tiroler Bergwelt, wo Indizien für die nachhaltig gestörte und zerstörte Harmonie des Lebensraums lauerten: Monokulturen der Wälder, Artensterben, fragwürdige Viehmast. Und im Zwiegespräch mit dem Heiligen formulierte sie kritische Fragen. Um am Gipfelkreuz der Bergwanderung im Glauben Hoffnung zu sehen, weil er das untrügliche Sortier-Kriterium nach Gut oder Schlecht liefern könne. Glaube also als Überlebens-Strategie, als Rettungs-Credo für die Schöpfung, so hieß Christiane Underbergs Botschaft.
Beinahe ausgedehnter, ausdrücklicher fiel die zweite Botschaft des Abends aus. Den gestern augenscheinlich gewordenen Gemeinschaftsgeist und die kollektive Aufbruchstimmung Richtung Stadtkirchen-Sanierung dokumentierte der Tag, als die Donaueschinger Bürgerschaft eindrucksvoll vielzählig gekommen war zu diesem Etappenziel der vorläufig letzten Kanzelrede. Und mit dem Bundestagsabgeordneten Siegfried Kauder mischte sich sogar ein ferner Gast unter die Lokalprominenz beim gastronomischen Finale auf dem Kirchplatz mit Fürstin, Altfürstin, Erbprinz, Oberbürgermeister, Ehrenbürger Everke, Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Gerold Votteler und freilich Gastgeber Hans-Peter Fischer. Hatte Kantor Zeno Bianchini davor auf der Orgel Bach gespielt, so dufte man den Stadtkapellen-Part beim Freiluftfest auch symbolisch werten dafür, dass das Kirchensanierungs-Vorhaben spätestens jetzt volkstümliche Mitmach-Laune entwickelt. Auch die Kanzelrednerin spornte dazu an: "Dabei geht es gar nicht nur ums Geld. So ein Vorhaben schweißt auch eine Gemeinschaft zusammen."
Das Elixier für launige Runden spendierte Christiane Underberg dann auch gleich beim Pfarrfest, das bis in die Dunkelheit hinein dauerte. Assistiert von Pfarrer Fischer fütterte sie Hunderte Underberg-Fläschen in die Hände dankbar strahlender Empfänger, obwohl's den Magenbitter gar nicht gebraucht hätte nach der so bekömmlich kurzen Kanzelrede.
Öffnungszeiten:
Aktuelles:
Firmung 2026
Kirchenmusik
- 23. Mai - 11.30 Uhr - St. Johann - Impuls von der Quelle
- 14. Juni - 17 Uhr - St. Johann - Rossini Chorkonzert
- 9. Juli - 20 Uhr - St. Johann - Sommerkonzert








